Name: Bogdan-Alexandru Stănescu
Geburtsdatum: 1979
Geburtsort: București
Derzeitiger Wohnort: București
Veröffentlichungen: Ceea ce ne desparte. Epistolarul de la Hanul lui Manuc (scrisă cu Vasile Ernu, Editura Polirom, 2010); Apoi, după bătălie, ne-am tras sufletul (Editura Cartea Românească, 2012); Enter Ghost. Scrisori imaginare către Osip Mandelștam (Editura Art, 2013); anaBASis (Editura Cartea Românească, 2014)
BALKAN
Er stand hinter mir und schob mich mit seiner Brust und als er sprach, stank er nach gerösteten Kernen, ein Gestank, der sich in meinen Haaren hineinschlich, über mein Gesicht, auf den Hals runterlief und dann auf den Controllern des Spiels, in der Baracke wo sich zwei Arcade-Geräte befanden, eins mit einem Formel-1- und das andere mit einer Art Fußballspiel mit je 4 fetten Männlein pro Team, die nur Beine und einen Kopf hatten - Formel 1 wollte keiner spielen, jedoch drängten sich die Leute ständig um denjenigen, der Fußball spielte und da ich normalerweise kein Geld hatte, stand ich bloß da und kiebitzte neben den Privilegierten – eine Runde kostete ein Leu und dafür durfte man zwei Spiele spielen. Wichtig war es eigentlich die Spiele zu gewinnen, da man so in der Fußballmeisterschaft vorwärtskam und dann praktisch kostenlos spielen konnte, am Anfang spielte man gegen Scheißteams, wie zum Beispiel Wales oder Bulgarien, aber je weiter man kam, desto schwieriger wurde es, so dass man in dem Finale fast immer gegen Brasilien oder Argentinien antrat und die Jungs sagten, dass Traian vom Eingang B einmal sich bis ins Finale durchkämpfte und sogar mit 1-0 führte, aber dann auf die Schnauze gefallen war und die Argentinier ihn mit 3-1 besiegten, Traian hatte aber Geld, da er bei den Booten im Freizeitpark arbeitete und darüber hinaus kriegte er freitags auch noch ein bisschen Geld vom Onkel George, um mit den Mädels auszugehen, inzwischen war diese Spielhalle mit Arcade-Spielen erschienen, genau neben den Booten, so dass Traian den ganzen Tag da verbrachte, mit den Jeans angezogen, die ihm sein Bruder aus Deutschland geschickt hatte, grün an den Knien aber super cool, und an den Geräten fummelte : ab und zu hörte man eine Mutter fragen, ob jemand bei den Booten war, da das Gör damit fahren wollte, dann fluchte Traian leise und ließ einen der Glücklichen unter uns sein Spiel zu Ende bringen ; ich war da letzten Samstag mit meinem Vater gekommen, als er mich zu sich nehmen durfte – das passierte jede zweite Woche -, und er war ohne sein Auto gekommen, da er von der Polizei am Wochenende mit einem unordnungsgemäßen Kennzeichen mit ungerader Zahl ertappt wurde, so dass wir beide zu Fuß durch den Park gegangen waren, von Brâncoveanu bis Tineretului, und es war ein wenig still gewesen, denn er und meine Mutter hatten sich vor der Tür einander beschimpft, weil meine Mutter und meine Großmutter mich die ganze Woche darauf vorbereitet hatten, ihm zu sagen, dass ich nicht zu ihm gehen möchte, warum sollte ich denn zu ihm gehen, er sei doch nur ein Sonntags-Vater, gell ?, der war aber rot im Gesicht geworden und hatte mit dem zerzausten Schnurrbart an die Tür geklingelt und hatte mich auf dem Flur alleine gelassen und dann war er in die Wohnung reingegangen, um mit meiner Mutter zu zanken, so dass ich meine Wangen in die Hände nahm – sie brannten und ich hatte einen Kloß im Hals - ich wusste aber nicht, was genau das war, vielleicht Scham, denn jene waren nicht meine Worte gewesen, doch hatte ich sie trotzdem ausgesprochen, auch wenn ich wusste, sie würden ihn verletzen, und ich ging ganz gerne samstags und sonntags zu meinem Vater, der ein Auto hatte und mir manchmal erlaubte, auf seinem Schoß zu sitzen und das Lenkrad zu halten und er hatte auch ein Videogerät und ich konnte mir entweder
Das Dschungelbuch oder
Robin Hood oder, am tollsten,
Star Wars ansehen, den ich zuerst im Kino der Sala Polivalentă gesehen hatte, wo man einmal im Monat Filme zeigte und es war großer Reibach, die ganze Nachbarschaft war da, uns war es aber egal, alle Jungen aus meinem Wohnblock waren da und wir brüllten im Dunkeln und als Prinzessin Leia auf dem Schoß von Jabba the Hutt saß, fingen wir zu pfeifen an und die älteren unter uns, die erfahrener waren, weil sie manchmal mit Doina aus dem zweiten Stock in den Müllschlucker-Raum gingen, um sich zu amüsieren, fingen mit den Kommentaren an und fragten sich, wie genau Jabbas Schwanz aussah und ob es der armen Leia nicht wehtat, dies passierte aber nur einmal im Monat und bei meinem Vater konnte ich die Folgen zurückspulen und sie mir hintereinander mehrmals am Tag anschauen und seine Frau brachte mir das Essen auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer, all dies spielte nun aber keine Rolle mehr, es war wie eine Wunde aus der Kindheit, auf der man Rivanol schüttete und dann ein Pflaster klebte, es war nicht so, als ob man beispielsweise in den Krieg ziehen musste, wo einem die Kugeln um die Ohren pfiffen, wichtig war es, dass Vater letztendlich aus der Wohnung rausgegangen und meine Mutter an der Tür zurückgeblieben war und mich vorwurfsvoll anglotzte, vielleicht weil ich mein Gedicht nicht überzeugend genug vorgetragen hatte oder vielleicht weil sie die Scham in meinem Gesicht entziffern konnte, Vater hatte aber meine Hand genommen und fest in seiner gehalten, hatte mich zum Aufzug geschleppt und dann hatten wir uns entschieden, durch den Park zu laufen, da es nur ein fünfzehnminütiger Spaziergang war und wir auch in dem Kinderpark ein bisschen verweilen konnten, wo sich das Spukhaus befand, jenes mit Fässern, die sich mit einen drinnen drehten und wo dann noch ein Krokodil aus Plastik erschien, der eigentlich niemandem Angst einfloss, besonders mir nicht, denn ich ging manchmal mit den Jungs dorthin und die ließen uns das Haus kostenlos besuchen, weil Traian dort gearbeitet hatte und als wir auf der Brücke waren, unter der sich das Krokodil befand, machten wir immer einen Wettbewerb, wer das Krokodil direkt ins Auge anspucken konnte, also kriegte das Krokodil eine weiße Schicht auf der Stirn, Vater wusste das aber nicht, also gingen wir durch den Park, uns an den Händen haltend und ich zeigte ihm die Spielhalle und fragte ihn, was dort drinnen wohl sei, ich kannte sie doch nicht, also gingen wir rein und da war niemand da, weil es Samstagmorgen und der ganze ITB-Wohnblock noch still war, die Busfahrereltern waren von ihrer Arbeitsschicht nach Hause zurückgekehrt und hielten ihre Kinder mindestens bis 11 Uhr im Haus, um sich mit ihnen über die Schule zu unterhalten oder mit ihnen zu kuscheln und um ihnen ihre großen und rauen Hände auf den Nacken zu legen, in einer seltenen Geste der Sanftmut, also war niemand drinnen außer einem schmutzigen Zigeuner vom D-Eingang, der grinste, als er mich sah, jedoch wieder ernst wurde, als auch mein Vater reinkam, der ihm 5 Lei gab und dann fing ich zu spielen an, zuerst verstand ich überhaupt nichts, dann doch schon etwas, und ich wählte mir das japanische Team aus, denn es hatte blaue T-Shirts und blau war meine Lieblingsfarbe, also fing ich zu spielen und zu dribbeln an, ich schaffte es, an einen Gegenspieler vorbeizulaufen, dann auch an den Zweiten, ich drehte mich um und dann sprintete ich zum Tor, denn wenn man einen roten Knopf drückte, gab dein Spieler Gas und wurde superschnell, das hatte ich bereits verstanden, dann stand ich schon vor dem Tor, drang in den Strafraum ein, die anderen waren zurückgeblieben, der Torwart kam mir entgegen, ich drehte mich wieder, wurde ihn los und lief mit dem Ball am Fuß in das Tor hinein, auf dem Bildschirm wurde ein Feuerwerk abgefeuert, Bomben, Konfetti, triumphierende Musik spielte im Hintergrund und ich spürte Wärme in meiner Brust, so wie ich vielleicht nur noch an meinem Geburtstag fühlte, als mich Mutter am Morgen weckte und mir zulächelte, mit mir kuschelte, ich wusste, dass ich etwas Besonderes geschafft habe und ich schmiedete Pläne darüber, was ich jetzt tun sollte, die Wärme war jetzt noch stärker geworden, ich wusste, dass ich etwas ganz Cooles geschafft hatte, ich guckte zu meinem Vater hinüber, der eine Zigarette am Eingang der Spielhalle rauchte, er hatte also nicht gesehen, was gerade passiert war, der Zigeuner am Ticketschalter bohrte sich in die Nase, also war ich alleine mit meinem Sieg, der Ball war wieder in der Mitte des Feldes und ich wurde mit 6-1 geschlagen, das Dribbling ist mir überhaupt nicht mehr gelungen, die anderen spielten sich den Ball zu, ich mochte das aber nicht, mir gefiel es, den Ball an meinem Fuß zu halten und ihn alleine zum Tor bringen, dies ist mir aber nur einmal gelungen, so ist es eben damals gewesen und dann habe ich Vater und Mutter die ganze Woche lang gebeten, mir Geld zu geben, ich habe das Restgeld von den Einkäufen behalten, ich habe aus der Tasche meiner Großmutter gestohlen und so habe ich 5 Lei gesammelt, also zehn Spiele, ich träumte wie ich alleine in der Spielhalle bin und wieder Japan wähle, weil mir ihre blauen T-Shirts mit gelben Sternchen so gefielen und dass ich den Ball übernehme und wie ein Profi dribbele, bis ich alleine vor dem Torwart stehe und dann so tue, als ob ich nach links schießen will, jedoch eine Bombe nach rechts drücke und dann würde ich wieder jene Siegesmusik hören, als ich aber dort ankam waren Balkan und Petrică und Cristi schon da, die Zwillinge aus dem vierten Stock mit der Mutter, die niemals „Guten Tag“ sagte und dem Vater, der wirklich wie Jabba the Hutt aussah und der in der Fabrik für Importsportware auf der Cuza-Vodă-Straße arbeitete, woher er Adidas-Schuhe mit Stollen stahl, mit denen die Zwillinge dann Fußball auf dem Zement hinter dem Wohnblock spielten, wo sie wie Frauen auf Absätzen liefen, wie meine Mutter in ihren Sandalen mit Holzsohlen, mit denen sie auf den Fliesen im Sommer hämmerte, besonders wenn sie aufgeregt war, aber Petrică und Cristi spielten gut Fußball, sogar mit Stollen auf dem Zement, und von ihrem Vater haben sie auch graue Trainingsanzüge mit der Glaucos-Schlange auf der Brust gekriegt, die waren also schon da und aßen Kerne mit dem Zigeuner vom D-Eingang, da war auch noch Coreea, von ITB, der Coreea hieß, weil er wie jene im Film
Li ti Shi san mei oder im
Die asiatischen Kämpfer aussah, also ging ich rein, schlich mich an die Blechwand vorbei und winkte dem Zigeuner zu, dass er zu mir kommen solle, jedoch wurde ich schnell von allen umgeben, Hast du Geld, Mann ?, Ja, antwortete ich, ich hab ein bisschen Geld und ich machte dem Zigeuner ein Zeichen, er solle mir die fünf Lei in fünf Münzen wechseln, dann baute ich einen Münzenturm neben dem Controller, weil ich keine Taschen hatte, die große Aluminiummünze hatte ich in der Hand gehalten und ich konnte wetten, dass meine Hand nach Grünspann roch, also legte ich den Turm neben meine rechte Hand, nahm die erste Münze und steckte sie in das Gerät, wählte das japanische Team und dann musste ich gegen Bulgarien spielen, ich war mir sicher, ich würde sie schlagen, ich war nun am Ball und fing zu dribbeln an, um die Jungs durcheinanderzubringen, Balkan bemerkte von hinten wie gut ich spielte und drängte sich in mich, also konnte ich mich über mein Dribbling nicht mehr freuen, das Spiel schien mir nicht mehr zu gefallen, es war als ob mir kein Trick mehr glückte, es wurde mir warm und ich fühlte noch etwas, was ich nicht verstand, dann wurde es schnell 3-0 für das andere Team, ich verlor, dann steckte ich eine neue Münze rein und verlor nochmal und als ich fast fertig war, fühlte ich wie jemand mir einen Finger durch die Trainingshose in den Arsch steckte, ich drehte mich um zu ihm und er grinste und eine Samenschale hing an seinem rechten Eckzahn, Was ist mit dir los, bist du denn schwul ?, Was hast du gesagt ?, fragte er empört, so machen die doch immer, wenn sie dich ficken wollen, sie scheinen empört zu sein und dann haute er mich mit dem Kopf ins Gesicht, in den Mund, in die Nase, es wurde mir schwindlig, ich fing an zu weinen, ich bückte mich und dann haute er mich noch einmal mit dem Knie ins Gesicht, dann hörte ich Lass ihn in Ruhe, Balkan, du tötest ihn und Na warum sagt er, dass ich schwul sei ?, ich wollte dann nichts weiteres, als meine Münzen mitnehmen und abhauen, aber als ich auf die Beine kam saß Balkan schon am Gerät und steckte die dritte Münze rein, rund um ihn war eine Mauer von Schultern gewachsen und erst jetzt verstand ich, was passiert war, so dass ich rausging in die Sonne, mit dem Weinen aufhörte und anfing, ihn zu verfluchen, seine Ahnen, seine Mutter und seine hässliche Schwester, die von der ganzen Schule gefickt wurde und auch den hässlichen Zigeuner, der sein Vater war, der nachts seinen Betonmischer vor dem Wohnblock parkte und daraus sinnlos betrunken rausfiel, ich rief ihm also all dies zu, denn ich wusste, dass er sich vom Gerät nicht trennen würde, bis ich mich dann beruhigte und meine Hände nicht mehr zitterten und dann ging ich wieder rein und schlich mich näher, um zu sehen, wie er spielte und er spielte gut, er konnte die Bälle gut spielen, er hatte schon zwei Teams geschlagen, noch ein wenig und dann kam er aus den Gruppen raus, das interessierte mich aber nicht, ich schaute mir sein Gesicht an, seine Nase, die ständig rotzig war und seine gelben Zähne, die genauso aussahen, wie jene der Ratten, die wir zu töten pflegten, als sie aus dem Müllschlucker-Raum hinausliefen, und dann mit ihnen Fußball spielten und eigentlich war das Ziel des Spiels die anderen mit der Ratte so hoch wie möglich, so nah wie möglich ans Gesicht zu treffen, so starrte ich ihn also an, bis er mich sah und mir zwischen den geschlossenen Lippen zischte Jetzt sei mir nicht böse, du kriegst doch Geld von deinem Vater, und die anderen grinsten zustimmend, also blieb ich dort stehen und guckte wie er mit meinen Münzen spielte, meine Nase juckte, dort wo er mich geschlagen hatte und durch die offene Tür fiel ein Sonnenstrahl wie eine Messerklinge in die Spielhalle herein und seine Spitze näherte sich immer mehr der Mitte des Raumes, ich ging also hinaus und wartete dort bis die Münzen alle waren, dann benahmen wir uns ganz wie gewohnt und Coreea schlug vor, dass wir zur Brücke gehen, um zu baden, zuerst sollten wir aber in der Nähe des Freibads Mirabellen sammeln, also schlichen wir uns durch den Heckenzaun, überquerten die Bahnschiene, Balkan haute einem Kind, das unaufmerksam an uns vorbeiging, eine über den Nacken, ich lief hinter ihm her und sah mir seine Sportschuhe an, aus denen sein dicker Zeh rausguckte, mit einem langen und breiten, dreckigen Nagel, und als wir zu den Mirabellenbäumen ankamen, hielt ich die Leiter für Cristi, der darauf kletterte und das Obst in seinem T-Shirt sammelte, da wir keine Taschen dabei hatten und als sein T-Shirt voll war, stieg er dann die Leiter aufmerksam runter und dann stopfen wir uns mit den Mirabellen voll und später gingen wir zum Springbrunnen und tranken kaltes Wasser, schneller, wir sterben vor Durst, die Zwillinge machten dann ein Pfurz-Wettbewerb und dieser Balkan ging wie ein Anführer vor uns und hatte sich auch den Löwenanteil an Mirabellen genommen und dann machte er Halt und bot mir ein paar Mirabellen an, Komm, nimm welche, ich nahm dankbar ein paar, sie waren sauer wie Essig, ich hatte Tränen in den Augen, so wie früher, als er mich ins Gesicht geschlagen hatte, jetzt fühlte es sich aber gut an, denn am Rande des Sees, zwischen den Weiden, konnte ich die Stahlbrücke erblicken und wusste, dass darunter manchmal Schildkröten waren, jetzt aber betete ich, dass sie vorsichtig waren, ich wusste doch, was die Jungs mit ihnen machten, wenn sie sie einfingen und neben der Brücke wuchten hohes Gras und weiße Blumen, wegen dieser Blumen musste ich niesen und meine Augen juckten, am Ufer wuchs eine Menge Wasserlinse und von der Brücke fehlten ein paar Bretter, also musste man darauf vorsichtig treten und ich war vorsichtig, zu vorsichtig, Cristi und Petrică hatten sich schon ausgezogen und hingen schon in ihren weißen Unterhosen an einem Brett, Mutter hatte mir aber erzählt, dass auf dem Boden dieses Sees einmal ein Friedhof war und dass manchmal Schädel heraufschwimmen oder dass es dort Dacia-Autos gäbe, die von Dieben mit offenen Türen versenkt wurden, und die einen verschlucken könnten, also blieb ich angezogen, kauerte mich hin und guckte mir an, wie die Jungs ins Wasser sprangen und plätscherten und ich knabbere an meinen Mirabellen, während Balkan sich ganz auszog und dann nackt in der Mitte der Brücke stand, bis eine Alte auf der Allee erschien, dann fing er an sie anzuschreien und flatterte seinen schwarzen Schwanz mit der Hand, Guck mal, was ich da hab !, die drehte ihren Kopf bestürzt weg und lief schnell weiter und Balkan kletterte auf das Brückengeländer, dort wo es gebogen und breiter und wo das Wasser tiefer war und stand da gerade, nackt und schwarz und guckte mich mit seiner elenden Fratze grinsend an, ich lächelte ihm zurück, die anderen drei Jungen plätscherten nicht mehr, man konnte nur die Frösche wie Schweine grunzen hören, er hob die Arme, um sich für den Sprung vorzubereiten, dann ließ er sie wieder runter, balancierte auf die Fußspitzen und sprang, blieb einen langen Augenblick in der Luft, krümmte dann seinen Körper zu einem Winkel und durchstach dann perfekt die Wasseroberfläche und ich machte meine Augen zu, da ich eine Mirabelle im Mund hatte und als ich sie dann aufmachte, sah ich seine Beine aufrecht aus dem See emporsteigen, mit gebeugten Knien und zwischen ihnen hing sein schlapper Schwanz in die Richtung zeigend, wo sein Kopf sein sollte, aber vom Nabel hinauf oder hinunter war sein Körper ganz untergetaucht und er blieb so, als ob die Zeit erstarrt war, als ob ich das Videogerät auf Pause geschaltet hätte, als diese Linie unterhalb des Bildschirms erschien, nur dass anstatt der Linie rote Luftblasen an die Oberfläche emporstiegen, sowie etwas öliges, gelbliches, dann hörte ich Was macht der da ?, und dann fingen Petrică und Cristi und Coreea an zu schreien: Mann, oh, Mann!, und sie kamen aus dem Wasser ans Ufer und dann saßen wir nur so und schauten uns jene Beine an, vom roten Wasser und einem weiß-gelblichem etwas umgeben, und ich dachte an
Die Kinder des Kapitän Grant, als sie während eines Sturms Ölfässer um das Schiff geworfen hatten, um die Wellen zu besänftigen, und fühlte einen tiefen Schauer, der vom Steißbein, den Rücken entlang und dann bis zum Nacken kroch und dann fing ich zu Zittern an, obwohl ich keine Mirabellen mehr im Mund hatte, nur einen bitteren Kerngeschmack.
Übersetzung: Irene Cristescu
(Die Erzählung ist Teil des Bandes
Copilăria lui Kaspar Hauser, der vor kurzem im Polirom-Verlag erschienen ist)

Copilăria lui Kaspar Hauser |@ Editura Polirom