
Elena Vlădăreanu | © foto din arhiva autoarei
Die
rumänische Ecke ist der Ort, an dem sie jeden Freitag die neuesten Werke der einheimischen Literatur entdecken können. Die Auswahl umfasst die bedeutendsten Stimmen der Gegenwart und versteht sich in erster Reihe als Brücke zu der rumänischen Literatur. Darüber hinaus bietet die Ecke eine Plattform, auf der sich junge literarische Talente vorstellen können.
Name: Elena Vlădăreanu
Geburtsdatum: 2.02.1981
Geburtsort: Medgidia
Derzeitiger Wohnort: București
Veröffentlichungen: din confesiunile distinsei doamne m. (colecția underground carmen, 2001), pagini (Timpul, 2002), fisuri (Pontica, 2003), europa. zece cântece funerare (Cartea Românească, 2005), spațiu privat. a handbook cu treizeci și trei de ilustrații de Dan Perjovschi (Cartea Românească, 2009), spazio private (Pietre Vive, 2016), non stress test, (Casa de pariuri literare, 2016).
Câteva cuvinte: [...] Ich schicke einen Teil aus einem Text, an dem ich gerade arbeite, Arbeitstitel ist Arbeit. Geld. Freizeit. Der Abschnitt ist Geld entommen.
Arbeit. Geld. Freizeit
Lass uns ein wenig über Geld sprechen.
Lass uns ein wenig über Arbeit sprechen.
Lass uns ein wenig über Zeit sprechen.
Wieviel kostet die Kunst?
How much?
Quanto?
Combien?
Coûte qu’il coûte.
50 Denar pro Tag. 100 Euro
Ich habe jeden Tag an dieses Geld gedacht
50 Denar. 100 Euro.
Welcher ist der passendste Moment, um Geld entgegenzunehmen.
Du findest es im Zimmer bei deiner Ankunft.
Du bekommst es zu Beginn der Konferenz und unterschreibst
Vielleicht in einem Briefumschlag, in der Teilnehmertasche
Jeden Briefumschlag geöffnet
Nichts
Nichts
Nichts
Der Botschafter der Europäischen Komission fühlt sich geehrt, Sie in seine Residenz einzuladen
Wir haben die Ehre, Sie zu dem Eröffnungscocktail einzuladen
Respektvoll, die EK
Eine Tasse aus tunesischem Porzellan, blaue Flagge, 12 Sterne
Kein Briefumschlag mit 50 Denar
Blaue Schleife am Henkel.
Zumindest essen wir gut.
Wir wohnen in einem vier-Sterne-Hotel und überfressen uns.
Wir sprechen über die Freiheit der Kunst und überfressen uns.
Wir fahren durchs Land mit einem vier-Sterne-Bus.
Köpfe von Kamelen und Schafen und Kühen und von Tieren mit gespaltenem Huf
Am Rande des Weges.
Die Kinder voll am Arsch.
Kerouan, Studenten rausgekommen um am Wüstenrand zu picknicken.
Sogleich die Fragen:
Tust du es für Geld?
Schreibst du für Geld?
Bist du ein Künstler für Geld?
Bist du nicht zufrieden?
Guck mal, was für ausgezeichnete Bedingungen! Hast du die Armut drumherum nicht gesehen?
Schämst du dich nicht ein bisschen, dich zu beschweren?
Als ich zwanzig war, gab es jemanden, der mir ständig sagte:
Ihr Künstler seid Parasiten. Ihr verdient es erschossen zu werden.
Wenn ich ein Gewehr hätte, würde ich euch alle erschießen.