Name: Rareș Moldovan
Geburtsdatum: 11.06.1976
Geburtsort: Cluj-Napoca
Derzeitiger Wohnort: Cluj-Napoca
Veröffentlichungen: Seara artificierului (Paralela 45, 2000), Skycam (Vinea, 2007; 2009), Symptomatologies (Limes, 2011); traduceri din Thomas Pynchon, Michael Cunningham, Chuck Palahniuk, Harold Bloom
Preise, Auszeichnungen: Premiul pentru traducere al USR, 2010, pentru Curcubeul gravitației, premiul ALGCR pentru teorie literară, 2012, pentru Symptomatologies
ENDEMISCH (FRAGMENT)
/der ganze Tag sich hinter mir schlängelnd, friedlich, so wie ich ihn einst gesehen habe, als er ganz im Inneren rüttelte, jedoch überhaupt nicht nach Außen, das vielleicht nur periphere Gefühl einer Umgestaltung, als das Ilumex nicht mehr aushält und es keine Intervention mehr gibt, ich blicke hinauf zum Gewölbe, weit weg auf der Schleife blinken kleine Lichter, womöglich ein neuer Unfall, keiner scheint aber in Panik geraten zu sein, das lila Dreieck der Interventionisten beeilt sich in dieselbe Richtung, zu weit von mir entfernt, um mich zu berühren, zu hoch, als das es mir etwas daran liegt, andere Lichter auf der unteren Schleife angereiht, sich dem Gedränge nähernd, an der Kreisbahn vorbei, vorbeieilende Passanten, ganz oben neben der Rosette, jenseits des Kristalls, eine kleine Räumungs-Aurora, durchscheinend und rosenrot, es ist schön so, Cara Ezmé ist nun da, sie ist plötzlich hier, als ob sie einen Platz hätte, als ob alles, was mich umgibt, ihr gehöre, sie ist da und sagt, es ist doch nicht gefährlich, sie sagt zweimal, dass sie will, ich antworte und antworte, ich weiß nicht, jetzt bist du aber da und dann schaue ich nach oben, es gibt keine Gefahr, nur ein paar Noctiluca in der Ferne, die sich um ihren eigenen Kram kümmern, und ich frage, Ezmé Cara, was willst du, es gibt doch keinen Besuch ohne ein Wollen, sie setzt sich neben mich hin, alles ist materiell, alles ist materiell, dies ist das erste Versprechen, wiederhole ich mir und sie wiederholt es für mich, Ezmé hat diese Gabe, einen zu verwirren, so dass man nicht weiß, ob sie dir etwas sagt, oder ob es nur eine Stimme in deinem Kopf ist, die spricht, und siehe da, ich beruhige mich, so wie es bei allen Krankheiten passiert, sie fragt mich, mit einer kurzen Pause danach, ihre Stimme versucht dabei fff zu zischen und ich fordere sie auf, mitzukommen, obwohl ich weiß, sie wird es nicht tun, sie hat Angst, wenn sie nicht unter dem Einfluss von Ether ist, will sie nicht mitkommen, was kann ich nur sagen, meine Hausaufgabe ist eine große Intoleranz, an der ich gerade dabei war zu arbeiten, du hältst mich aber auf, geschweige denn den letzten Teil, sie ist gekommen, sie will Fotos machen, ein Ebonit-Auslöser zwischen ihren Fingern, natürliche Fotos, meint sie, was immer das sein mag, sie bewegt ihren Finger über das zackige Objektiv und ich erzähle ihr, dass ich nicht im Krankenhaus für meine Krankheit war, ich habe aber Anweisungen erhalten, das ist die wahre Wahrheit, die haben dies gehört und sie interessieren sich dafür, es ist wahr, dass die Krankheiten neu sind, es ist mir aber auch nicht klar, es ist unklar, sage ich ihr und das ist auch genauso wahr, das erste Mal ist eine Wahl und in der Regel ist es schmerzhaft, ich will aber darüber nicht mehr reden, du verstehst mich doch, ich kriege die Ampullen, ihre Finger auf dem Objektiv, hier und da, vergrößern ihren Nimbus und verändern ihr Farbspektrum, natürlich, so wie es dir gefällt, sagt sie, und ich bin nicht sicher, ob das eine Frage oder eine Aussage ist, so so so so, wie du willst, aber entscheide dich bereits, eine flache Scheibe wie eine Schokoladenmünze in Stanniol am Scheitel ihres Kopfes, nicht größer als die Handfläche, auch so ist es gut, es scheint natürlich, es scheint gut und danach fängt Ezmé Cara an, durch das Zimmer zu schreiten, Possy elegant meidend, es dämmert durch das Objektiv und überall, sehe ich natürlich aus, frage ich, als sie mich ansieht, das Objektiv drehend, du siehst so aus, wie ich will, antwortet sie und dann scheint sie sehr fern zu sein, wie am Ende eines Tunnels, sich in das Licht auslösend, sie steht mit dem Rücken zu mir und trägt ein grünes kleines durchsichtiges Hemd, dass sie kaum bedeckt, so wie ich einst in einem Film gesehen habe, na ja, und von dort aus, aus der Ferne, sagt, flüstert die Stimme aus meinem Kopf, in meinem Kopf, hast du jemals ein Handbuch gesehen? Ich ziehe die Hülle wie einen Vorhang, im Licht der Skizzen ist sie jetzt wieder nah, beide sind wir im Handbuch eingewickelt, die leuchtenden Warnungen und Garantien sind umgekehrt sichtbar, sie haben sich auf die Wände, auf die Decke ausgestreckt, hier ist alles was... es fehlt das Wort, obwohl nach seiner Rekonstruktion du es weißt oder wir es wissen, wir alle wissen das, ich habe das gesehen, sage ich, alle haben das gesehen, sage ich oder sagt sie, die Hülle ist ihr nah und sie ist mir nah und ich bin der Hülle nah und sehr zarte Skizzen durchscheinen überall und auf unserer Haut, ich dachte an einen wahren und als ich das sage rollt sich die Rolle zurück, als sei sie von jemanden gezogen und wir gucken uns an, was meinst du damit?, frage ich, nichts, antwortet sie, kennst du etwas, das dir anderswie als den anderen gegeben wurde, ich verstehe nicht, obwohl es genau stimmt, dass sie sich alles wünscht, nur das nicht, was allen anderen gegeben wurde, so wie ich sie kenne, zbyr soll dich bloß nicht hören, sage ich, hier bin ich in Sicherheit, erwidert sie, und so ist es, und dann sagt sie, er hat mich aber besucht, der Name, den sie ausspricht, hat überhaupt keinen Sinn für mich, und dann zeigte sie mir, machte eine Pause, war die Pause denn beabsichtigt, frage ich mich, dann warte ich, das Zimmer ist dunkel geworden und in der Ferne schimmert das Gedränge, von Lichtstößen und von Gute-Nacht-Wellen durchdrungen, er hat mir eine Handbuchscherbe gezeigt, so hat er es genannt, meint sie, eine Scherbe, obwohl es keinen Sinn hat, wieso eine Scherbe, wollte ich ihr zuflüstern, aber dann holte sie diese raus und zeigte sie mir, es war eine etwa so große Scherbe, sie nimmt dann ihre Finger vom Objektiv weg und öffnet sie halb, ihr Zeigefinger zittert ein bisschen, er sagte, ich sollte die Hand drauf tun und ich habe das getan, es sah nicht besonders interessant aus, ich glaube es war schwarz, und als ich es anfasste , fühlte ich, dass..., sicher will ich fragen was? aber ich sehe in ihrem Gesicht, dass sie es nicht schaffen wird, es mir zu sagen, nicht jetzt wenigstens, also nehme ich sie in meine Arme, sie zittert am ganzen Körper, ich zerbreche eine Ampulle in meiner Tasche und streiche ihr mit dem feuchten Finger über die Lippen, gleich wird es besser sein, flüstere ich ihr zu, und so ist es, denn sie bleibt eine Weile schräg auf dem Sofa liegen und vielleicht lächelt sie im Dunkeln, während ich unter dem Gewölbe spaziere und an den Fenster vorbeigehe, die Lichter und die Ordnung, so wie sie ist, klein aber trotzdem Ordnung, bewundernd, keine Spur von Interventionisten zu dieser Zeit, ich streichle den Hund, ich streichle die Biene, ein herrschaftlicher Geist während sich die Señorita erholt, ich bin voll, ich bin hundertprozentig, was soll ich jetzt nur tun, dann gibt sie kleine Laute vor sich hin, weil sie schon aufwacht und sucht die Kamera auf dem Sofa, ich reiche sie ihr hin, damit sie nicht in Panik gerät, sie flüstert etwas, diesmal nur für sich, ich erkenne nur die Wörter ich weiß und noch einen Zischlaut danach, ich bin hier, sage ich, und ich mache Licht, ein sanftes Licht, wie Noctiluca-Wellen auf den Boden schimmernd, du siehst gut in diesem Licht aus, wer sagt denn das, ich oder sie, wer weiß noch, und gleich tun wir das, was wir tun wollten, das, wofür sie gekommen ist, natürlich, natürlich/
Übersetzung: Irene Cristescu