
Gewinner des open mike 2015 | © gezett.de
Das Haus für Poesie, 1991 im östlichen Stadtteil Prenzlauer Berg und das 1963 als Massnahme gegen die kulturelle Verödung West-Berlins nach dem Mauerbau gegründete Literarische Colloquium Berlin dominieren die dynamische Literaturszene der Hauptstadt.
Haus für Poesie
Das
Haus für Poesie, vormals
Literaturwerkstatt Berlin, steht seit 2004 auf dem Gelände der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg und hat sich über die Jahre zu einer bedeutenden Begegnungsstätte für junge Schriftsteller etabliert. Gefördert und unterstützt werden alle Bereiche der Literatur, insbesondere aber die Dichtung. Dabei beschränkt man sich nicht auf das geschriebene Wort, sondern experimentiert auch mit Kombinationen und Fusionen anderer Künste und Medien. In kaum einer anderen literarischen Institution wird Poesie in solch einer Formenvielfalt auf die Bühne gebracht und diskutiert.
Seit der Gründung 1991 hat die Werkstatt eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Zum Schwerpunkt ihrer Arbeit, der Entdeckung und Förderung von Nachwuchstalenten sowie der Verbreitung nationaler und internationaler Poesie, haben sich hauseigene Großveranstaltungen und renommierte Projekte eingereiht.
So organisiert das Haus jährlich das Poesiefestival Berlin „Weltklang – Nacht der Poesie“, bei dem Literaturliebhaber Autoren aus aller Welt kennenlernen können. sowie. Außerdem findet alle zwei Jahre das
ZEBRA Poetry Film Festival statt und seit 1993 wird der Wettbewerb
open mike organisiert. Dieser Literaturpreis zählt neben dem Ingeborg-Bachmann-Preis zum wichtigsten Wettbewerb für deutschsprachige Literatur-Neuentdeckungen und wendet sich in besonderer Weise dem schriftstellerischen Nachwuchs hin.

Festliche Umbenennung: Christiane Lange, Thomas Wohlfahrt, Iain Galbraith, Oswald Egger, Michael Müller und Thomas Sparr am 12.9.2016 © gezett
Sehr hervorzuheben sei auch das Grimme-Online prämierte Webportal
lyrikline.org, auf welchem mittlerweile Gedichte von über 600 Dichtern in mehr als 50 Sprachen gehört und im Original sowie in Übersetzungen gelesen werden können.
Das Haus für Poesie konnte sich über die Jahre Formate und Strukturen aufbauen, die für die Kunst der Dichtung einzigartig in Deutschland und zum Teil einmalig in der Welt sind.

Live-Lesung: Christian Filips, Elke Erb und Ingo Günther am 17.9.2016 © gezett
Mehr über das Poesie-Haus erfahren Sie auf
www.haus-fuer-poesie.org/de/literaturwerkstatt-berlin/home

Literarisches Colloquium Berlin | © Tobias Bohm-LCB
Literarisches Colloquium Berlin
Hier entstand in ungezählten Begegnungen etwas, was Goethe „Weltliteratur“ nannte: ein Netzwerk von Wahrnehmung und Anerkennung des anderen als Gleichberechtigten.“ Adolf Muschg (Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler)
Das LCB wurde von Beginn an als Institution mit internationaler Ausrichtung konzipiert. Walter Höllerer gründete das Haus 1963 um der kulturellen Verödung West-Berlins nach dem Mauerbau vorzubeugen und eine Begegnungsstätte zwischen dem Osten und Westen in Zeiten des kalten Krieges zu schaffen. Hier trafen sich Künstler, Schriftsteller und Filmemachern unterschiedlichster Herkunft und Temperamente um sich über Literatur und Kunst auszutauschen. Zwar herrschen heute ganz andere politischen Konstellationen als damals, an der Philosophie des Colloquiums hat sich dennoch nichts verändert. Seit den neunziger Jahren sind die Kontakte zu den Literaturszenen in Mittel- und Osteuropa besonders eng und bilden einen Schwerpunkt der Programmarbeit.
Es wurden langfristige Kooperationen mit Partnern wie dem Goethe – Institut, dem Deutschlandfunk oder der Leipziger Buchmesse ins Leben gerufen. Aufgrund seiner Kooperationen, und seinen sprachenübergreifenden Projekten erfreut sich das Literarische Colloquium Berlin, welches mit der Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“ auch über ein eigenes Printmedium verfügt, einer Reputation von internationalem Rang.
International ist auch das Publikum. In dem Haus am Wannsee kommen Autoren, Übersetzer, Verleger und Gäste aus aller Welt zu Lesungen, Diskussionen und Workshops zusammen.
Durch all diese Impulse hat es das LCB erfolgreich geschafft sowohl an Neues anzuknüpfen als auch Altes zu bewahren und in den Rang von Traditionen zu erheben.
Geschrieben von
Levin Christopher Stein